Ohr

Hörminderung

Als Hörminderung wird eine Verringerung des Hörvermögens bezeichnet. Man unterscheidet eine

  • Schallempfindungsschwerhörigkeit (hier ist die Hörschnecke, der Hörnerv oder andere Abschnitte der Hörbahn erkrankt),
  • eine Schallleitungsschwerhörigkeit (hier ist die Schall-Übertragung zum Innenohr gestört)
  • und eine kombinierte Schwerhörigkeit (Kombination einer Schallempfindungs- und einer Schallleitungsschwerhörigkeit).

Die Ursachen einer Hörminderung sind vielfÀltig und können mit audiometrischen Testverfahren (= Hörtests) untersucht werden.

Hörminderungen entwickeln sich hĂ€ufig schleichend, können aber auch angeboren sein oder akut auftreten. Die hĂ€ufigste Ursache einer Hörminderung im Kindesalter sind PaukenergĂŒsse (= FlĂŒssigkeitsansammlungen im Mittelohr). Bei Ă€lteren Menschen ĂŒberwiegen die durch degenerative VorgĂ€nge der Haarsinneszellen verursachten Schwerhörigkeiten (sog. „Altersschwerhörigkeit“). Aber auch eine LĂ€rmbelastung am Arbeitsplatz kann zu einer Hörminderung, der sogenannten „berufsbedingten LĂ€rmschwerhörigkeit“, fĂŒhren. Knall- und Explosionsgeschehen (z.B. Silvesterböller oder platzender Autoreifen) können das Ohr unmittelbar schĂ€digen und mĂŒssen umgehend HNO-Ă€rztlich untersucht und behandelt werden. Eine akute, einseitige Hörminderung kann z.B. auf einen Hörsturz hinweisen oder durch einen Ohrenschmalzpfropf ausgelöst werden. In Kombination mit akuten Drehschwindelattacken kann eine Erkrankung des Innenohres (M. MeniĂšre) vorliegen.

Hörsturz

Bei einem Hörsturz kommt es zu einer meist einseitigen, plötzlich auftretenden Hörminderung. Manchmal klagen Betroffene gleichzeitig ĂŒber ein OhrgerĂ€usch (=Tinnitus). Das Hörvermögen kann dabei nur leicht beeintrĂ€chtigt sein, aber auch ein kompletter Hörverlust (= Ertaubung) ist möglich.

Die Ursachen eines Hörsturzes sind nicht eindeutig geklĂ€rt. Durchblutungsstörungen des Innenohres werden genauso diskutiert wie EntzĂŒndungen des Hörnervens. Ein kausaler Zusammenhang zwischen einem Hörsturz und Stress ist bislang unklar.

Ohrenschmerzen sind kein Symptom des Hörsturzes. Aber: EntzĂŒndungen des Gehörgangs oder des Mittelohres verursachen Schmerzen und eine Hörminderung. Zur Unterscheidung dieser verschiedenen Krankheitsbilder ist eine Untersuchung des Ohres und eine Hördiagnostik notwendig.

Nicht jede Hörminderung wird durch einen Hörsturz verursacht. Manchmal ist lediglich ein verstopfter Gehörgang verantwortlich, insbesondere dann, wenn die Hörminderung nach dem Duschen auftritt.

Die Kombination aus einer Hörminderung und Drehschwindelattacken kann auf eine Erkrankung des Innenohres, eines sogenannten M. MeniÚre hinweisen.

Tinnitus

Das Wort „Tinnitus“ leitet sich vom lateinischen Verb „tinnire“ ab und bedeutet „klingeln“. Jedes OhrgerĂ€usch wird als Tinnitus bezeichnet. Tinnitus ist ein Symptom, das auf unterschiedliche Erkrankungen zurĂŒckzufĂŒhren ist. Betroffene hören Töne oder GerĂ€usche, sind oft gerĂ€uschempfindlich und leiden teilweise unter Schlafstörungen. Die psychische Belastung durch eine bestehendes OhrgerĂ€usch kann unterschiedliche Ausmaße annehmen.

Man unterscheidet „subjektive“ und „objektive“ OhrgerĂ€usche. Ein subjektiver Tinnitus wird nur von der betroffenen Person wahrgenommen und ist die hĂ€ufigste Art. Ursachen können z.B. Hörminderungen, ein Hörsturz, Stress, eine LĂ€rmbelastung, Probleme der HalswirbelsĂ€ule oder des Kiefergelenkes sein.

Der seltene objektive Tinnitus entsteht durch eine tatsĂ€chlich vorhandene, physikalische GerĂ€uschquelle. Mögliche Ursachen sind z.B. BlutgefĂ€ĂŸ-Tumore, eine Arteriosklerose der HalsgefĂ€ĂŸe, Herzfehler, krankhafte Verbindungen zwischen BlutgefĂ€ĂŸen (sog. „AV-Fisteln“). Auch Zuckungen der Muskeln im Mittelohr oder der Gaumensegel-Muskulatur können OhrgerĂ€usche verursachen.

Zur AbklĂ€rung eines Tinnitus und zur Einleitung einer zielgerichteten Therapie ist die Untersuchung des Ohres, einschließlich einer Audiometrie (= Hördiagnostik) und ggf. auch bildgebender Verfahren, von entscheidender Bedeutung.